Alltagskultur

Mit dem Begriff der Alltagskultur werden Gebrauchsgüter des Alltags wie Wohn-, Ess- und Kleidungsgegenstände verstanden. Im Deutschen Landwirtschaftsmuseum stellen die authentischen Wohnrauminszenierungen eine Besonderheit dar.

Vielfach mit Originalmobiliar ausgestattet und im Rahmen einer thematischen Ausstellung liegt der zeitliche Schwerpunkt in der Darstellung der ländlichen Lebenswelt  Mitteldeutschlands zwischen 1890 und 1990.

In dem ältesten, von einem anderen Standort, umgesetzten Gebäude des Museums, einem Umgebindehaus aus dem Jahr 1770, werden die Wohn- und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung des 18. Jh. gezeigt. In der ebenfalls zum Museum gehörenden Dorfschule liegt der zeitliche Fokus im deutschen Kaiserreich. Hier kann neben dem Schulzimmer auch die Wohnung des Lehrers angeschaut werden. Hervorzuheben ist die Ausstellung zum bürgerlichen Wohnen auf dem Rittergut Blankenhain.

 

In der ersten Schlossetage (derzeit geschlossen) sind die Wohnverhältnisse der letzten Besitzerfamilie Reber zwischen 1925 und 1945, also von der Heirat bis zur Enteignung dargestellt. Hierbei bereichern viele originale Möbelstücke die Inszenierung. Der Vierseitbauernhof zeigt im historischen Wohnhaus mit Küche, Wohnstube, Schlafzimmer und Gesindekammer die Zeitspanne der späten 1930er bis Ende der 1940er Jahre.

Die DDR-Zeit nimmt eine weitere wichtige Darstellungsepoche im Museum ein. In einem Neubauernhaus werden im Erdgeschoss die Lebensverhältnisse einer Neubauernfamilie der Jahre zwischen 1949 und 1952 gezeigt. Dieses Gebäude wurde aus dem Ort Callenberg nach Blankenhain umgesetzt. Das Außengelände mit Garten, Gewächshaus und Schnellbaugarage mit einem PKW Trabant, soll die DDR-Zeit der frühen 1970er Jahre darstellen.

 

Im Vorschloss des Rittergutes sind heute Ausstellungen zur DDR-Alltagskultur untergebracht. Gezeigt werden eine SERO-Annahmestelle (Sekundär-Rohstoffe), ein ABV-Büro,  Abschnittsbevollmächtigter der Deutschen Volkspolizei, ein Konsum, eine Gemeindebibliothek, eine Poststelle, eine Zahnarzt- und eine Landarztpraxis. Eine Besonderheit stellt die Originalwohnung einer Frau dar, die 33 Jahre zwischen 1966 und 1999 dort im Vorschloss wohnte und deren Einrichtung zum Zeitpunkt ihres Ablebens am 16. Dezember 1999 musealisiert wurde. In diesem Zustand präsentiert es sich bis heute dem Besucher. Das Freilichtmuseum zeigt im Obergeschoss der Bäckerei die Wohnungseinrichtung der letzten Bäckersfrau, wie sie diese Räume 1994 verlassen hat.

Mit dieser Präsentation wird die zeitgeschichtliche Epoche von ihrer Heirat und dem Einzug 1944 bis zu ihrem Auszug 1994 sichtbar.

Im Vierseitbauernhof des Museums wurde eine ganze Scheunenfront zu DDR-Zeiten abgerissen und durch einen typischen damaligen Wohnbau ersetzt. In diesem Gebäude zeigt das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain nun die Wohnverhältnisse einer Genossenschaftsbauernfamilie der 80er Jahre.