Rittergut I Geschichte

Die Ursprünge der Orts- und Rittergutsgeschichte in Blankenhain gehen auf die Zeit des 12. Jahrhunderts zurück. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Zehntverzeichnis des Zisterzienserklosters Bosau Zeitz aus dem Jahre 1181.
Als erster Adliger kann Ludewig von Blanken nachgewiesen werden.

Die Herren von Blanken waren eingesetzte Lokatoren und gründeten so den Ort Blankenhain.
In den nachfolgenden Jahrhunderten wechselte das Rittergut mehrfach die Besitzer.

 

Es wurde verkauft, vererbt, verauktioniert und verschenkt. Mit jedem Besitzerwechsel gingen auch bauliche Veränderungen, je nach Zeitgeschmack und wirtschaftlichem Schwerpunkt der Gutswirtschaft, einher.
1661 vernichtete ein verheerender Schlossbrand nicht nur die Hälfte des Rittergutes, sondern auch andere Gebäude wie den Pfarrhof. Der Wiederaufbau des Rittergutes konnte erst 1699 abgeschlossen werden. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Wirtschaftshof auf seine heutige Ausdehnung vergrößert. 1765 wurde das Schloss mit einem barocken Mansarddach versehen, das es heute noch trägt.

Bis zum Jahr 1774 waren die Besitzer des Blankenhainer Rittergutes Landadlige. Ihnen folgten ab diesem Zeitpunkt bürgerliche Familien. Durch den Aufschwung der Textilindustrie waren es in erster Linie wohlhabende Textilfabrikanten, die sich ein weiteres Standbein schufen. So war der erste bürgerliche Eigentümer der aus Annaberg im Erzgebirge stammende Klöppelspitzenmanufakturist Carl Gottlob Scheuereck, der 1774 das Rittergut kaufte.

Die Familie war sehr wohltätig, indem sie in Blankenhain ein Armenhaus errichten ließ, eine Schule in Rußdorf baute, eine Schulbibliothek in der Blankenhainer Schule anlegte und Legate für den Schullehrer aussetzte. 1785 ließ Carl Gottlob Scheuereck auf dem Blankenhainer Friedhof eine Erbbegräbnisstätte in Form eines Mausoleums im Byzantinischen Stil errichten.

Die Nachkommen Carl Gottlob Scheuerecks modernisierten das Rittergut und brachten es auf den modernsten Stand seiner Zeit.

Von den Erben der Familie Scheuereck wurde das Rittergut 1861 verauktioniert.

Der Fabrikant Gustav Münch aus Hof kaufte dieses Gut für seine aus Gera stammende Frau Pauline Luise Ferber.

Unter der Familie Münch-Ferber erlebte das Rittergut in Blankenhain vor allem in der Gründerzeit seinen letzten großen Aufschwung, der bis zum Beginn des ersten Weltkrieges anhielt. Das Rittergut wurde grundlegend saniert und technologisch auf die Höhe der Zeit gebracht. Die neuesten Dampfmaschinen und Einrichtungsgegenstände wurden in einem extra dafür errichteten Maschinenhaus eingebaut.

Ein Novum der Zeit war, dass vom Kesselhaus aus die erste Schlossetage und die Kirche zentral mit der warmen Abluft der Maschinen beheizt wurde.

So entwickelte sich das Rittergut zu einem wahren Innovationszentrum in der Region.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, die Rohstoffknappheit und der Arbeitskräftemangel beendeten diesen Aufschwung jäh. Nach dem Ende des Krieges, den Unruhen und der Inflation verhinderte die schwierige politische Lage der Weimarer Republik einen neuerlichen Aufschwung der Gutswirtschaft. Ende 1924 kauften die Textilfabrikanten Friedrich Wilhelm Zacher und sein Schwiegersohn Paul Emil Hupfer aus Leubnitz bei Werdau das Rittergut Blankenhain.

Marianne Hupfer, Tochter von Emil Hupfer, heiratete 1925 Herrn Heinrich Karl Reber. Dieser wurde nach der Hochzeit als Gutsadministrator eingesetzt. Das Ehepaar bewohnte die erste Schlossetage von 1925 bis zur Enteignung 1945.

In Blankenhain endete der Zweite Weltkrieg am 16. April 1945 mit dem Einmarsch der US- Amerikaner. Diese wurden am 02. Juli 1945 gemäß den Alliierten Abkommen von der Roten Armee abgelöst, so dass Sachsen und Thüringen wie das gesamte Ostdeutschland unter sowjetische Besatzung geriet. Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurden alle Gutsbesitzer über 100 Hektar entschädigungslos enteignet. In Blankenhain wurden aus der Gutswirtschaft 351 Hektar Ackerland, Wiese, Wald und sonstige Flächen aufgeteilt.